Agentic Commerce: Wo das Einkaufen per KI-Assistent wirklich steht
Protokolle, Plattformen und der Stand in Deutschland: Welche Standards es für den KI-Einkauf gibt, wo der Kauf im Chat schon funktioniert und was Händler und Preisvergleichsportale jetzt umsetzen können.
Stand: 23. Oktober 2026
KI-Assistenten haben sich in kurzer Zeit von einer Neuheit zum Alltagswerkzeug entwickelt. Wer sie täglich zum Recherchieren, Vergleichen und Schreiben nutzt, kennt die Situation: Der Assistent findet das passende Produkt, doch beim Kauf endet die Unterhaltung mit einem Link. Warum hilft er nicht auch beim nächsten Schritt? Preise vergleichen und direkt im Chat kaufen wäre die naheliegende Erweiterung. Angekündigt haben die großen Anbieter entsprechende Funktionen längst.
Wer das Thema verfolgt, stößt dabei auf drei zentrale Fragen:
- Welche Standards gibt es, und wofür eignen sie sich?
- Wie lassen sich Preisvergleiche in KI-Assistenten integrieren, und wo kann man heute tatsächlich direkt im Chat einkaufen?
- Welche dieser Möglichkeiten sind in Deutschland bereits verfügbar, welche könnten in Zukunft hinzukommen?
Zwischen Ankündigung und tatsächlichem Einsatz vergeht häufig viel Zeit, und nicht alle angekündigten Lösungen setzen sich langfristig durch. Deshalb haben wir uns angesehen, welche Standards und Lösungen bereits existieren, welche Einsatzmöglichkeiten sie bieten und wie weit ihre praktische Umsetzung tatsächlich fortgeschritten ist.
Was aus dem Sofortkauf in ChatGPT geworden ist
Die Richtung für 2026 hat OpenAI vorgegeben, wenn auch anders als geplant. Im September 2025 brachte das Unternehmen gemeinsam mit Stripe den Sofortkauf in ChatGPT, zunächst in den USA und mit Etsy als erstem großen Partner. Die technische Grundlage bildete das gemeinsam entwickelte Agentic Commerce Protocol (ACP), das KI-Assistenten mit den Kaufsystemen der Händler verbinden soll. Im März 2026 änderte OpenAI jedoch seinen Kurs: Statt den Kaufabschluss ausschließlich innerhalb von ChatGPT anzubieten, setzte das Unternehmen wieder stärker auf die Onlineshops der Händler.
Aufgegeben wurde damit nicht der Kanal, sondern ein Ansatz: Der einheitliche Kaufknopf, über den Kunden direkt im Gespräch bezahlen konnten, rückte in den Hintergrund. Interessanter als der Kurswechsel ist jedoch, was danach kam. Walmart ist weiterhin über ChatGPT erreichbar, allerdings mit einem eigenen Assistenten und einem selbst gestalteten Kaufprozess. Der Zugang zur Kundschaft bleibt somit bestehen, während die Kontrolle über Produktdarstellung und Kaufabschluss wieder stärker beim Händler liegt.
Ähnliche Ansätze finden sich auch bei anderen Anbietern. Claude bindet beispielsweise Instacart ein: Der Warenkorb lässt sich im Gespräch zusammenstellen, während der Kauf über das Konto des Anbieters abgeschlossen wird.
Das ACP bleibt trotz des Kurswechsels relevant. Es wird weiterhin als offene Spezifikation gepflegt und auch von anderen Plattformen aufgegriffen. Microsoft setzt es beispielsweise für seinen Copilot Checkout ein.
Damit zeichnet sich eine Entwicklung ab: KI-Assistenten übernehmen zunehmend die Produktsuche, den Vergleich und die Vorbereitung des Kaufs, während Händler weiterhin eine zentrale Rolle beim Kaufabschluss spielen. Welche technischen Standards diese Zusammenarbeit ermöglichen und wie sie sich unterscheiden, zeigt der folgende Überblick.
Welche Standards den KI-Einkauf ermöglichen
Damit KI-Assistenten Produkte finden, vergleichen und Käufe vorbereiten oder abschließen können, müssen unterschiedliche Systeme zusammenarbeiten. Dafür haben sich mehrere technische Standards entwickelt, die jeweils unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
UCP: die Abläufe im Handel
Während ACP aus der Zusammenarbeit zwischen OpenAI und Stripe hervorging, entwickelte sich mit dem Universal Commerce Protocol (UCP) ein weiterer Ansatz zur Standardisierung des KI-gestützten Handels. UCP wurde im Januar 2026 von Google und Shopify vorgestellt, unter Beteiligung von Unternehmen wie Etsy, Wayfair, Target und Walmart. Es soll die verschiedenen Schritte des Onlinehandels miteinander verbinden, von der Produktsuche über den Warenkorb bis hin zum Kaufabschluss und zur Bestellverwaltung. Im April 2026 schlossen sich mit Amazon, Meta, Microsoft, Salesforce und Stripe weitere große Unternehmen dem Technical Council an. Stripe trat zusätzlich dem Governing Council bei.
UCP ist dabei nicht nur ein theoretischer Standard. Shopify hat die entsprechenden Schnittstellen Ende Mai 2026 plattformweit aktiviert, ohne dass Händler selbst aktiv werden mussten. Dadurch können KI-Assistenten Produkte und Warenkörbe über die Shop-Domain abrufen, ohne dass dafür eine gesonderte Partnerschaft erforderlich ist. Für den Kaufabschluss gelten zusätzliche Anforderungen: Registrierte Anwendungen können eine bereits ausgefüllte Bezahlseite erzeugen, während der direkte Abschluss innerhalb eines KI-Assistenten zunächst ausgewählten Partnern vorbehalten bleibt.
AP2: die Vollmacht für den Agenten
Während UCP die Abläufe im Handel beschreibt, beschäftigt sich das Agent Payments Protocol (AP2) mit einer anderen Frage: Wie kann ein KI-Agent nachweisen, dass er im Auftrag eines Menschen handeln und innerhalb bestimmter Grenzen einen Kauf auslösen darf?
Dafür sieht AP2 kryptografisch signierte Vollmachten vor, in denen beispielsweise Ausgabenlimits, Empfänger und Gültigkeitsdauer festgelegt werden. Im April 2026 übergab Google das Protokoll an die FIDO Alliance, die unter anderem hinter den Passkey-Standards steht. AP2 führt selbst keine Zahlungen aus, sondern stellt die technische Grundlage für deren Autorisierung bereit. Ein breiter produktiver Einsatz steht allerdings noch aus.
MCP: die Anbindung externer Dienste
Eine weitere wichtige Rolle spielt das Model Context Protocol (MCP). Es ermöglicht KI-Assistenten, externe Werkzeuge und Dienste anzubinden. Darüber lassen sich beispielsweise Produktsuchen oder Preisvergleiche direkt in eine Unterhaltung integrieren.
Die Aufgabenteilung im Überblick
Die Standards übernehmen somit unterschiedliche Aufgaben: ACP und UCP schaffen technische Grundlagen für den KI-gestützten Handel, AP2 regelt die Autorisierung von Käufen und MCP ermöglicht die Anbindung externer Dienste. Die eigentliche Zahlungsabwicklung übernehmen weiterhin die Zahlungsdienstleister.
Wie Produkte und Preisvergleiche in KI-Assistenten gelangen
Die technischen Standards bilden die Grundlage. Für Unternehmen stellt sich jedoch eine praktische Frage: Wie gelangen die eigenen Produkte oder ein Preisvergleich überhaupt in einen KI-Assistenten?
Eine Möglichkeit bieten externe Anbindungen, beispielsweise über das Model Context Protocol (MCP). Damit können KI-Assistenten auf Dienste zugreifen, die aktuelle Angebote verschiedener Händler durchsuchen und passende Ergebnisse direkt im Gespräch bereitstellen. Wie solche Anbindungen verfügbar gemacht werden, unterscheidet sich allerdings je nach Plattform:
- Anthropic (Claude): Es gibt ein öffentliches Verzeichnis, in das Entwickler ihre Anbindungen einreichen können. Nutzer können darüber hinaus eigene MCP-Verbindungen direkt hinzufügen, auch wenn diese nicht offiziell gelistet sind.
- OpenAI (ChatGPT): Entwickler können ihre Anwendungen zur Aufnahme in das App-Verzeichnis einreichen. Nach der Freigabe lassen sich diese innerhalb von ChatGPT nutzen.
- Google (Gemini): Google setzt stärker auf ausgewählte Partnerschaften. Ein öffentliches Verzeichnis für externe MCP-Anbindungen gibt es bislang nicht. Für Händler spielt zudem der Shopping Graph eine wichtige Rolle, über den Google Produktinformationen für seine Such- und Kaufangebote bereitstellt.
- Microsoft (365 Copilot): Eigene Agenten lassen sich veröffentlichen. Diese richten sich vor allem an Unternehmen und können beispielsweise bei der Recherche, dem Angebotsvergleich oder der Beschaffung unterstützen. Die Nutzung innerhalb einer Organisation erfordert in der Regel eine Freigabe durch die IT-Administration.
Die Unterschiede zeigen, dass die technische Anbindung allein nicht ausreicht. Entscheidend ist auch, ob und wie die jeweilige Plattform externe Dienste für ihre Nutzer zugänglich macht.
Für einen reinen Preisvergleich ist kein eigener Kauf- oder Zahlungsprozess erforderlich. Angebote lassen sich direkt im Gespräch bereitstellen, während der eigentliche Kauf beim Händler erfolgt. Ob solche Dienste für Nutzer verfügbar sind, hängt allerdings von den Integrationsmöglichkeiten und Freigabeprozessen der jeweiligen KI-Plattform ab.
Wo der Einkauf direkt im KI-Assistenten bereits funktioniert
Der direkte Kauf über KI-Assistenten ist inzwischen Realität, allerdings konzentrieren sich die Angebote bislang auf den US-Markt. Dabei verfolgen die großen Plattformen unterschiedliche Ansätze:
- Google: Mitte Oktober 2026 hat Google mit Universal Cart eine gemeinsame Warenkorbfunktion für die Google-Suche und die Gemini-App eingeführt. Nutzer können Produkte verschiedener Händler sammeln und anschließend entweder direkt über Google Pay bezahlen oder den Kauf im Onlineshop des jeweiligen Händlers abschließen.
- Microsoft: Der im Januar 2026 gestartete Copilot Checkout ermöglicht den Kaufabschluss direkt innerhalb der Unterhaltung. Unterstützt wird das Angebot unter anderem von Shopify, PayPal und Stripe. Shopify-Händler werden grundsätzlich automatisch eingebunden, sofern sie der Teilnahme nicht widersprechen.
- Amazon: Den Shopping-Assistenten Rufus hat Amazon im Mai 2026 in „Alexa for Shopping“ umbenannt. Er unterstützt bei der Produktsuche und beim Vergleich von Angeboten und kann über Funktionen wie „Buy for Me“ auch Bestellungen bei externen Händlern übernehmen.
Der KI-Assistent unterstützt bei der Produktauswahl und beim Kaufabschluss, während der Händler weiterhin die Ware verkauft. Die Bezahlung erfolgt über etablierte Zahlungsdienste wie Google Pay, PayPal oder Stripe.
Und wie sieht es in Deutschland aus?
In Deutschland sind KI-gestützte Produktsuchen und Preisvergleiche bereits möglich. Der direkte Kaufabschluss innerhalb eines KI-Assistenten ist dagegen noch nicht breit verfügbar. Die entsprechenden Funktionen konzentrieren sich bislang auf den US-Markt, und ein konkreter Starttermin für Deutschland ist nicht bekannt.
Eine wesentliche Herausforderung ist die Zahlungsabwicklung. In Europa müssen unter anderem die Anforderungen der PSD2 berücksichtigt werden, insbesondere die sichere Autorisierung von Zahlungen durch den Nutzer. Erste Pilotprojekte zeigen jedoch, dass auch hier Fortschritte erzielt werden. Bis der direkte Kauf im Chat zum Alltag wird, können KI-Assistenten bereits bei der Produktauswahl und Kaufvorbereitung unterstützen.
Warum Zahlungsdienstleister eine zentrale Rolle spielen
Neben den KI-Plattformen und Händlern gewinnen auch Zahlungsdienstleister an Bedeutung. Denn selbst wenn ein Assistent Produkte finden und einen Kauf vorbereiten kann, benötigt der eigentliche Zahlungsabschluss eine sichere und zuverlässige Infrastruktur.
Unternehmen wie Adyen, Stripe, PayPal und Klarna haben ihre Angebote deshalb gezielt um Funktionen für den agentischen Handel erweitert. Adyen unterstützt beispielsweise mehrere der entstehenden Protokolle, während Stripe sowohl an der Entwicklung des Agentic Commerce Protocol beteiligt war als auch die Weiterentwicklung von UCP unterstützt. PayPal arbeitet unter anderem mit Microsoft und Perplexity zusammen, Klarna ist in Googles Kaufangebot integriert.
Dabei zeichnet sich ab, dass sich die Zahlungsdienstleister nicht ausschließlich auf einen einzelnen Standard festlegen. Stattdessen entwickeln sie Lösungen, die mit unterschiedlichen KI-Plattformen und Handelsprotokollen zusammenarbeiten können.
Für den europäischen Markt ist das besonders relevant. Viele der bisherigen Kaufangebote orientieren sich stark am US-Markt und an kartengestützten Zahlungsverfahren. In Deutschland erwarten Kunden jedoch zusätzliche Möglichkeiten wie PayPal, SEPA-Lastschrift oder den Kauf auf Rechnung. Diese Zahlarten müssen ebenso wie die regulatorischen Anforderungen in die neuen Abläufe integriert werden.
Für einen breiten Einsatz in Deutschland muss deshalb nicht nur der Kauf im KI-Assistenten funktionieren, sondern auch die Zahlungsabwicklung zu den Anforderungen passen.
Was Unternehmen schon heute umsetzen können
Auch wenn der direkte Kaufabschluss in Deutschland noch eingeschränkt ist, können Händler und Preisvergleichsportale bereits heute wichtige Voraussetzungen für den KI-gestützten Handel schaffen. Dabei lassen sich drei Entwicklungsstufen unterscheiden.
1. Produkte auffindbar machen
Der erste Schritt besteht darin, Produkte und Angebote für KI-Assistenten zugänglich zu machen. Das kann über strukturierte Produktdaten, bestehende Handelsplattformen oder externe Anbindungen erfolgen. Insbesondere MCP ermöglicht es, Dienste wie Produktsuchen und Preisvergleiche direkt in die Unterhaltung einzubinden. Dafür ist weder eine eigene Zahlungsfunktion noch ein vollständig integrierter Kaufprozess erforderlich.
2. Den Kauf vorbereiten
Im nächsten Schritt kann der Assistent über die reine Produktsuche hinausgehen. Unterstützt ein Onlineshop entsprechende Schnittstellen, lassen sich beispielsweise Warenkörbe zusammenstellen und Käufer- oder Lieferdaten für den Checkout vorbereiten. Der Nutzer wird anschließend zum Onlineshop weitergeleitet und schließt den Kauf dort ab.
Dieser Ansatz bietet bereits einen praktischen Mehrwert: Die Produktauswahl und Vorbereitung erfolgen im KI-Assistenten, während die eigentliche Bestellung und Zahlung über die bestehende Infrastruktur des Händlers abgewickelt werden.
3. Den Kauf direkt im Chat abschließen
Die dritte Stufe ist der vollständig integrierte Kaufabschluss, bei dem der Nutzer den KI-Assistenten nicht mehr verlassen muss. Entsprechende Lösungen existieren bereits, sind für den deutschen Markt aber noch nicht breit verfügbar. Unternehmen sollten deshalb die Entwicklung der Plattformen, Zahlungsstandards und regulatorischen Anforderungen verfolgen, ohne ihre gesamte Strategie von dieser Funktion abhängig zu machen.
Für Händler und Preisvergleichsportale ergibt sich daraus eine klare Priorität: Zunächst sollten Produkte und Angebote in KI-Assistenten auffindbar sein. Anschließend lässt sich die Kaufvorbereitung integrieren. Der direkte Zahlungsabschluss kann folgen, sobald die technischen und regulatorischen Voraussetzungen gegeben sind.
Fazit: KI-gestützter Handel beginnt nicht erst beim Bezahlen
Die Entwicklung zeigt, dass Agentic Commerce längst mehr ist als eine Ankündigung. Mit ACP, UCP, AP2 und MCP entstehen technische Grundlagen für die Zusammenarbeit von KI-Assistenten, Händlern und Zahlungsdienstleistern. Gleichzeitig unterscheiden sich die Plattformen weiterhin deutlich darin, welche Funktionen sie anbieten und wie offen sie externe Dienste integrieren.
Während der direkte Kaufabschluss vor allem in den USA voranschreitet, sind Produktsuche, Preisvergleich und Kaufvorbereitung auch in Deutschland bereits möglich. Für Unternehmen liegt darin die kurzfristig nutzbare Chance: Sie können ihre Angebote schon heute in KI-Assistenten verfügbar machen, ohne auf den vollständig automatisierten Kaufprozess warten zu müssen.
Entscheidend ist deshalb weniger, welche Funktionen angekündigt werden, sondern welche bereits zuverlässig funktionieren.
Sie möchten wissen, wie sich Ihre Produkte oder Ihr Preisvergleich in KI-Assistenten integrieren lassen? Wir unterstützen Sie dabei, die technischen Möglichkeiten zu bewerten und passende Anbindungen umzusetzen. Melden Sie sich für ein erstes Gespräch.
Weiterführendes
- Universal Commerce Protocol · Spezifikation · Ankündigungen
- Agentic Commerce Protocol
- Agent Payments Protocol · Übergabe an die FIDO Alliance
- Model Context Protocol
- Anthropic: Connectors-Verzeichnis · OpenAI: App einreichen · Microsoft: Prüfrichtlinien für Copilot-Agenten
- Google: Universal Cart · Microsoft: Copilot Checkout · Amazon: Alexa for Shopping
- Shopify: Katalog für Agenten
- Adyen Agentic · Stripe: Agentic Commerce Suite · PayPal und Perplexity
- Mollie: Agentic Commerce aus europäischer Sicht